Umgang mit komplementären Maßnahmen

... auf einen Blick

Komplementärmedizinische Maßnahmen werden ergänzend zur schulmedizinischen Behandlung eingesetzt, sie können und dürfen diese aber nicht ersetzen.

Nehmen Sie keine komplementärmedizinischen Präparate ein, ohne vorher Ihren Arzt darüber zu informieren!

Wenn Sie sich mit dem Thema „Komplementärmedizin“ intensiver beschäftigen möchten, empfehlen wir Ihnen die Lektüre der im Servicebereich angeführten Ratgeber.

Neben der klassischen Schulmedizin suchen viele an Krebs erkrankte Menschen auch nach anderen Wegen – nicht zuletzt aus dem Wunsch heraus, selbst etwas zu ihrem Wohlbefinden und zur Linderung ihrer Beschwerden beizutragen.

Komplementäre Maßnahmen werden ergänzend zur schulmedizinischen Behandlung eingesetzt und können dabei helfen, während/nach einer Krebstherapie das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität zu verbessern. Dabei darf die Komplementärmedizin aber niemals Ersatz für die schulmedizinische Krebstherapie sein, da sie gegen den Tumor selbst in der Regel wirkungslos ist!

Bitte informieren Sie unbedingt Ihren behandelnden Arzt, wenn Sie komplementäre Maßnahmen ergreifen möchten oder bereits anwenden! Auch bei scheinbar harmlosen komplementärmedizinischen Präparaten kann es vorkommen, dass diese Ihre Krebstherapie beinträchtigen. So ist z.B. von Johanniskraut, das nachweislich bei leichten bis mittelschweren Depressionen wirkt, bekannt, dass es ein Enzym in der Leber stimuliert und dadurch zu einem rascheren Abbau bestimmter in der Krebstherapie eingesetzter Medikamente führt. Dadurch kann die Wirksamkeit Ihrer Krebstherapie beeinträchtigt werden!

Der folgende Überblick über die gängigsten, komplementärmedizinischen Therapien wurde von Herrn Univ. Prof. Dr. Auerbach, Leiter der Ambulanz für Komplementäre Medizin in der Frauenheilkunde am AKH Wien, für unsere Website zusammengestellt.

Misteltherapie

In Mitteleuropa ist sie die häufigste und wissenschaftlich bestuntersuchte komplementäre Therapie bei einer Krebserkrankung. Die Anwendung speziell zubereiteter Mistelinjektionspräparate in der Tumortherapie geht auf Rudolf Steiner, den Begründer der Anthroposophie, und seine ärztliche Mitarbeiterin Ita Wegman zurück. In den deutschsprachigen Ländern werden am häufigsten Extrakte aus Viscum album L. (VAE), der europäischen Mistel, eingesetzt. Bei dieser Pflanze werden mehrere Unterarten unterschieden, die jeweils auf einen bestimmten Wirtsbaum spezialisiert sind:

  • Tannenmistel (Weißtanne, Abietis)
  • Laubbaummistel (alle Laubhölzer mit Ausnahme von Buchen, wie z.B. Mali, Quercus, Populus)
  • Kiefernmistel (Kiefer, selten Lärche oder Fichte – Pini)

Zur klinischen Anwendung von Mistelextrakten bei Krebspatienten liegen zahlreiche Einzelfallberichte und klinische Studien bei den verschiedensten Krebserkrankungen vor. Bisher wurde die Misteltherapie in mehr als 150 publizierten Studien untersucht. Insgesamt zeigen die vorliegenden kontrollierten klinischen Studien fast durchgehend positive Ergebnisse im Bereich von Überlebensparametern (Gesamtüberleben, krankheitsfreies Überleben), Lebensqualität und Verträglichkeit von Operation, Chemo- und Radiotherapie. Es zeigte sich insbesondere eine deutliche Verbesserung der Erschöpfung (Fatigue), des Schlafes, bei Übelkeit/Erbrechen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Angst, Schmerzen sowie eine deutliche Steigerung der Leistungsfähigkeit und eine Reduzierung der Infektanfälligkeit. In einer aktuellen Studie aus 2013 kommt es bei 220 Patienten mit lokal fortgeschrittenem Pankreaskarzinom neben der deutlichen Verbesserung der Lebensqualität auch zu einer klinisch relevanten Überlebensverlängerung.

Die Misteltherapie kann vor, während und nach einer Chemo- oder Strahlentherapie eingesetzt werden. Um die individuell optimale Dosierung zu erreichen, werden in der Einleitungsphase steigende Misteldosierungen 3x die Woche subkutan injiziert. Ein Beginn einer Misteltherapie bei schon laufender Chemotherapie sollte unbedingt mit dem therapieführenden Onkologen besprochen werden. Die meisten österreichischen Krankenkassen übernehmen die Kosten nach Chemo- oder Strahlentherapie bzw. in palliativen Situationen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Misteltherapie eine sichere und wissenschaftlich überprüfte komplementäre Behandlung bei einer soliden Krebserkrankung ist. Sie verbessert die Lebensqualität und die Rehabilitation nach einer klinischen Therapie in allen Phasen der Tumorerkrankung, reduziert die Nebenwirkungen bei Chemo- und Strahlentherapie und kann die Überlebenszeit positiv beeinflussen.

Enzymtherapie

Enzympräparate (WobeMugos, Wobenzym, Phlogenzym, Karazym, Equizym) enthalten Kombinationen von proteolytischen Enzymen, Wirkstoffe der Thymusdrüse und Lektine aus der Erbse und der Linse. Sie stimulieren das Immunsystem und unterstützen die Entgiftungsfunktion der Leber, wirken stark abschwellend. Es ist eine Reduktion der Nebenwirkungen der Strahlen‑ und Chemotherapie und damit eine Verbesserung der Lebensqualität beschrieben. Die Kosten der Enzymtherapie werden bei Indikation vor und nach einer Chemo- Strahlentherapie von den Krankenkassen meist übernommen.

Japanische Pilze

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und koreanisch, japanischen Medizin werden seit Jahrtausenden Vitalpilze, auch Heilpilze genannt, erfolgreich zur Linderung zahlreicher Beschwerden und zur Vorbeugung gegen viele schwere Krankheiten verwendet. Zu diesen Heilpilzen zählen unter anderem:

  • Agaricus (Mandelpilz, Sonnenpilz)
  • Kawartake (Coriolus versicolor)
  • Maitake (Klapperschwamm, Grifola frondosa)
  • Reishi (Ganoderma lucidum, Glänzender Lackporling, Ling Zhi)
  • Shiitake (Lentinula edodes)

Die aktiven Inhaltsstoffe sind in wissenschaftlichen Studien erforscht worden und größtenteils wissenschaftlich belegt (z.B. ß-Glucan). Diese wirken immunstimulativ auf das körpereigene Immunsystem und allgemein stärkend. Besondere Wirksamkeit zeigen die standardisierten Präparate neben der Chemo- oder Strahlentherapie, wobei eine effektive Reduktion der Nebenwirkungen beobachtet werden kann (lebensqualitätssteigernd).

Antioxidantien, Vitamine und Spurenelemente: Vitamine und Spurenelemente (Antioxidantien) sind wichtige, teils essentielle Produkte, die für den normalen Stoffwechsel und der Entwicklung und Regulation der Zellfunktion mitverantwortlich sind und die „freien Radikale“ binden können. Freie Radikale sind bei der Bekämpfung von Bakterien und Viren an vorderster Front. Sie sind aber andererseits bei hoher Konzentration auch für die Krebsentstehung mitverantwortlich. Sie treten zum Beispiel bei Stress, Infektionen, psychischen Belastungen, Strahlung, Umweltgiften, aber auch Chemotherapie vermehrt auf.

Seit vielen Jahren gilt die Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen als wesentliche präventive aber auch therapeutische Maßnahme, um eine Krebserkrankung zu verhindern bzw. zu bekämpfen. Breit angelegte Untersuchungen ergaben jedoch ein widersprüchliches wissenschaftliches Ergebnis. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt deshalb eine Verabreichung von Vitaminen und Spurenelementen – mit Ausnahme von Vitamin D und Selen - nicht. Dies gilt für Personen, die sich ausgewogen ernähren können. Bei Mangelernährung sowie krankheitsbedingter Mangelernährung bzw. Kachexie gelten diese Einschränkungen nicht. Vitamine sollten während der Strahlentherapie nicht eingenommen werden, da sie die Effektivität der Therapie reduzieren können.

Pflanzliche Therapien

Folgende Präparate aus der Natur können dabei helfen, belastende Nebenwirkungen gängiger Behandlungsmethoden wie Chemo- oder Strahlentherapie besser zu vertragen:

  • Cannabis: Gerade im Zusammenhang mit fortschreitenden Krebserkrankungen und unter laufender Chemotherapie sind Appetitlosigkeit, Kachexie, Übelkeit aber auch Müdigkeit häufige Beschwerden. Hier bietet sich Cannabis sativa an, dessen Inhaltstoff das Tetrahydrocannabinol ist. Cannabis wirkt auf die Rezeptoren CB1 (vor allem im Magen-Darm-Trakt und Nervensystem) und auf CB2 (primär Blutbildendes System, Immunzellen, Thymus). Einzelne Studien zeigen auch eine tumorreduzierende Wirkung. Cannabis wird bei entsprechender Indikation mittels Suchtgiftrezept entweder in Tropfenform (initial 3-5 Tropfen täglich) oder Tablettenform verschrieben. Die Kosten werden von den Krankenkassen üblicherweise übernommen.
  • Curcumin: Curcuma kommt aus der Familie der Ingwergewächse, ursprünglich aus Indien, Asien und Afrika. Curcumin hat eine antiinflammatorische, anticancerogene, und antioxidative Wirkung.
  • Johanniskraut: Das Hypericum perforatum hemmt die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Noradrenalin, Serotonin, Dopamin, GABA und L-Glutamat. Die regelmäßige Einnahme von Johanniskraut hat eine antidepressive sowie wundheilungsfördernde Wirkung. Die Einnahme von Johanniskraut ist jedoch während der meisten Chemotherapien, unter Einnahme von Tyrosinkinasehemmern und vieler Antikörpertherapien kontraindiziert!!!
  • Ginseng: Kürzlich publizierte Studien haben gezeigt, dass insbesondere der „amerikanische“ Wisconsin Ginseng (Panax Quinquefolium), aber auch der koreanische und japanische Ginseng (Panax Ginseng) signifikante Verbesserung vor allem von Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue Syndrom) während Chemo- und Strahlentherapien bewirkten können.

Ganzheitliche Therapien

Der ganzheitliche Einsatz von TCM (Traditionelle Chinesische Medizin), Ayurveda oder tibetanischer Medizin bei der Krebsbehandlung ist gut dokumentiert. Bei Chemo- und Strahlentherapie oder anderen belastenden, klinischen Therapien können diese – richtig eingesetzt – die Nebenwirkungen der Therapien reduzieren und auch Müdigkeit und Erschöpfung reduzieren. Neben Behandlungsmethoden wie Tuina-Massagen, Schröpfen, Qi-Gong, Tai-Chi sowie Ernährungstherapie werden am häufigsten Akupunktur und chinesische Heilmittel eingesetzt. In jedem Fall ist hierzu jedoch eine genaue Abklärung durch einen zertifizierten Spezialisten in Kenntnis der klinischen Therapie anzuraten!

Ernährung

Die Ernährung kann eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Krebs spielen. Ihr Einfluss auf eine schon bestehende Krebserkrankung ist aber umstritten. Aus den zahlreichen wissenschaftlichen Studien lässt sich kein verlässlich nachweisbares, ideales Ernährungsmuster ableiten. Klar ist heute, dass Mangel- und Hungerdiäten kontraproduktiv sind und bei Krebserkrankungen keinen Stellenwert haben. Eine ausgewogene Ernährung mit frischen Produkten und wenn möglich, biologisch angebaut, sollte empfohlen werden. Andererseits gibt es Hinweise, dass der Verzicht auf Kuhmilch und Kuhmilchprodukten, auf rotes Fleisch und weißen Zucker einen positiven Einfluss haben könnte.

Bewegung

Körperliche Aktivität etwa 3-4 Mal pro Woche bis zu einer Stunde reduziert die Inzidenz der Karzinome signifikant und beeinflusst signifikant die potentiellen Nebenwirkungen der klinischen Therapien, wie Chemo- oder Strahlentherapie.

 

Seriöse Komplementärmedizin möchte die wissenschaftlich fundierte onkologische Medizin ergänzen und versteht sich teilweise auch als Supportivmedizin. Sie möchte Patienten die Möglichkeit geben, selbst aktiv zu werden und dazu beizutragen, eventuell auftretende Nebenwirkungen der Standardtherapien zu mildern. Die komplementäre Krebstherapie ist heute fixer Bestandteil eines integrativen onkologischen Behandlungsansatzes und sollte mit den betreuenden Ärzten abgesprochen werden.

Zum Abschluss dieses Kapitels möchten wir Sie aber auch vor selbsternannten Wunderheilern warnen und dazu aufrufen, kritisch die Ihnen angebotenen Methoden zu hinterfragen. Der Wunsch, wieder gesund zu werden, weckt in Betroffenen und Angehörigen oft ungeahnte Kräfte – macht manchmal leider aber auch blind. Seien Sie vorsichtig bei im Internet angebotenen „Wundermitteln“, die viel Geld kosten und Heilung versprechen!

Ergänzende Maßnahmen zur konventionellen Krebstherapie: JA!
Alternative Maßnahmen anstelle einer konventionellen Krebstherapie: NEIN!