Umgang mit den Nebenwirkungen einer medikamentösen Therapie

... auf einen Blick

Da konventionelle Zytostatika alle sich teilenden Zellen im Organismus angreifen, kann es neben der erwünschten Wirkung auf Tumorzellen auch zu einer Schädigung gesunder Zellen kommen. Welche Nebenwirkungen im Einzelfall auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, kann dabei von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein.

Informieren Sie sich über mögliche Nebenwirkungen Ihrer Therapie! Wie stark und beeinträchtigend Sie diese empfinden, hängt auch von Ihrem Wissensstand und Ihrer persönlichen Einstellung ab!

Nebenwirkungen der Tumortherapie – Hilfe zur Selbsthilfe, Bayerische Krebsgesellschaft e.V., 2015, online verfügbar: http://www.bayerische-krebsgesellschaft.de/index.php?ratgeber/broschueren

Ausführliche Informationen zum Thema „Fatigue“ finden Sie in den Broschüren in unserem Servicebereich.

In der medikamentösen Krebstherapie werden sogenannte Zytostatika eingesetzt, die auf unterschiedliche Art die Zellteilung hemmen. In erster Linie schädigen diese „Zellgifte“ die sich rasch teilenden Tumorzellen, wirken allerdings auch auf gesunde Zellen, die sich ähnlich schnell teilen. Deshalb kommt es unter Behandlung häufig zu Nebenwirkungen, die die Darmschleimhaut (Durchfälle), die Haarwurzeln (Haarausfall) oder die blutbildenden Zellen des Knochenmarks (Veränderungen des Blutbildes) betreffen.

Einige Nebenwirkungen lassen sich vorbeugend behandeln, andere können durch entsprechende Begleitmaßnahmen und Medikamente zumindest abgefangen oder gelindert werden. Die meisten Nebenwirkungen sind jedoch reversibel, d.h. sie verschwinden nach Abschluss der Behandlung wieder.

Welche Nebenwirkungen im Einzelfall auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, kann von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein. Es hat sich jedoch gezeigt, dass Betroffene mit Beschwerden besser umgehen, wenn sie gut über eventuell auftretende Nebenwirkungen und mögliche Gegenmaßnahmen informiert sind.

Im Folgenden beschreiben wir Ihnen die häufigsten Nebenwirkungen, die im Rahmen einer medikamentösen Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs auftreten können. Bitte lassen Sie sich durch diese Auflistung nicht beunruhigen – es heißt nicht, dass diese Beschwerden bei Ihnen tatsächlich auch auftreten müssen!

Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit mit Brechreiz und Erbrechen zählt zu den häufigsten und für Betroffene belastendsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Um diese Beschwerden so gering wie möglich zu halten, bekommen Sie in der Regel bereits vor Beginn der Chemotherapie spezielle Medikamente – sogenannte Antiemetika – die Übelkeit und Brechreiz wirksam unterdrücken. Unterstützend zu dieser Prophylaxe könnten auch Akupunktur/-pressur sowie kleine Ernährungstipps für Sie hilfreich sein:

o    Essen Sie langsam und lieber mehrere, kleine Mahlzeiten
o    Vermeiden Sie nach Möglichkeit starke Essensgerüche
o    Bevorzugen Sie kühle, leicht gewürzte Speisen
o    Essen Sie trockene, stärkehaltige Nahrungsmittel (Zwieback, Knäckebrot), um Erbrechen zu verhindern
o    Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, trinken Sie langsam und während des Essens nur wenig

Durchfälle

Starke Durchfälle (Diarrhöe) können vor allem unter einer FOLFIRINOX Therapie (siehe Behandlungsmöglichkeiten) auftreten, lassen sich jedoch auch medikamentös behandeln. Da der Flüssigkeitsverlust bei Durchfällen sehr hoch ist, ist es wichtig, viel zu trinken (mindestens 2-3 Liter pro Tag)! Unterstützende Ernährungstipps:

o    Meiden Sie fetthaltige, stark gewürzte Speisen sowie Kaffee, Alkohol und Milchzucker
o    Essen Sie stopfende Lebensmittel wie z.B. Heidelbeeren, geriebene Äpfel, Bananen, Karotten oder bittere Schokolade
o    Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, ev. auch Gemüse- oder Fleischbrühe

Entzündung der Mundschleimhaut

Infolge einer Chemotherapie kann es auch zu einer für den Betroffenen sehr schmerzhaften Schädigung der Mundschleimhäute (Mukositis) sowie der Mundhöhle (Stomatitis) kommen. In leichten Fällen ist die Mundschleimhaut dabei gerötet oder geschwollen, in schweren Fällen kann es aber auch zu Geschwüren kommen, die das Essen beinahe unmöglich machen. Ihr Arzt kann Ihnen schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente verschreiben. Zusätzlich sollten Sie auf eine gründliche aber schonende Mundhygiene achten. Verwenden Sie eine weiche Zahnbürste, milde Zahnpasta und alkoholfreie Mundspüllösungen. Verzichten Sie auf scharfe Gewürze oder extreme Temperaturen der Speisen (sehr heiß oder kalt) sowie auf Alkohol, Nikotin und säurehaltige Fruchtsäfte. Bei starker Beeinträchtigung kann flüssige Kost aus einer Tasse oder mit einem Strohhalm getrunken werden. Eventuell kann auch eine Kühlung mit einem Eiswürfel oder einem Lutschstäbchen für Schmerzlinderung sorgen.

Haarausfall

Die Zellen der Haarwurzel erneuern sich rasch und können daher leicht durch verschiedene Krebstherapien (z.B. Nab-Paclitaxel oder FOLFIRINOX) geschädigt werden. In der Folge kommt es zu einem vorübergehenden Haarausfall – nicht nur der Kopfhaare, sondern auch der Körperbehaarung. Betroffene müssen für sich selbst entscheiden, wie sie damit umgehen. Falls Sie nicht für einige Zeit mit einer Glatze leben können, helfen Ihnen möglicherweise Kopfbedeckungen wie Tücher, Kappen oder auch Perücken, die Veränderung etwas zu verbergen. Wichtig ist, dass Sie sich damit wohl fühlen! Nach der letzten Behandlung dauert es in etwa drei Monate, bis die Kopfhaare wieder einigermaßen nachgewachsen sind.

Schädigung des Knochenmarks

Infolge einer Chemotherapie kann es auch zu einer Schädigung des blutbildenden Knochenmarks (Myelosuppression) kommen, sodass die Zahl der weißen und/oder roten Blutkörperchen und/oder der Blutplättchen im Blut sinkt. Mögliche Veränderungen können nur mithilfe eines Blutbilds regelmäßig kontrolliert werden und haben unterschiedliche Folgen:

o    Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie): Eine verminderte Anzahl an Blutplättchen erhöht die Blutungsneigung. Wunden und Verletzungen können daher länger und stärker bluten als normal, plötzliches Nasenbluten oder raschere Bildung von blauen Flecken sind möglich.

o    Mangel an weißen Blutkörperchen: Ebenfalls beeinträchtigt sein kann die Produktion der weißen Blutkörperchen (Leukozytopenie) sowie einer Untergruppe, der neutrophilen Granulozyten (Neutropenie). Da letztere für die Abwehr von Keimen zuständig sind, sind Patienten mit einem Mangel an neutrophilen Granulozyten anfälliger für Infektionen und sollten vorbeugend Antibiotika erhalten. Meiden Sie nach Möglichkeit Menschenansammlungen und halten Sie sich von Personen fern, die ansteckende Krankheiten wie z.B. Windpocken oder Grippe haben. Bitte informieren Sie umgehend Ihren Arzt, falls Ihre Körpertemperatur bei vorliegender Neutropenie über 38° Celsius steigt! Eine febrile Neutropenie ist ein ernst zu nehmender Zustand, der lebensbedrohlich werden kann!

o    Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie): Da die eingesetzten Zytostatika häufig die Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) schädigen, entwickeln viele Patienten eine Blutarmut und in weiterer Folge kann es auch zu einem Eisenmangel kommen. Da dieser Eisenmangel schwere körperliche und psychische Erschöpfungszustände (Fatigue), Schwindel, Atemnot, Herzklopfen, Depressionen und Schlafstörungen nach sich ziehen kann, sollte er unbedingt behandelt werden. Dazu stehen Medikamente, die die Bildung der roten Blutkörperchen stimulieren, in schweren Fällen Bluttransfusionen und intravenöse Eisenpräparate zur Verfügung.

Hand-Fuß-Syndrom

Unter gewissen Chemotherapien wie z.B. 5-FU oder Nab-Paclitaxel kann es zu einer schmerzhaften Rötung und einer Schwellung an den Handinnenflächen und Fußsohlen kommen. Das sogenannte Hand-Fuß-Syndrom kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und Alltagstätigkeiten bei schwerer Ausprägung erheblich einschränken. Bei den meisten Patienten ist das Hand-Fuß-Syndrom aber nur mild ausgeprägt und klingt nach etwa zwei Wochen wieder ab. Besprechen Sie mögliche Behandlungsmaßnahmen mit Ihrem Arzt und versuchen Sie Ihre Haut bereits im Vorfeld einer Chemotherapie durch folgende Maßnahmen zu schützen:

o    Verwenden Sie fettende Hautsalben
o    Schonen Sie Ihre Hände und Füße vor starken mechanischen Beanspruchungen
o    Meiden Sie direkte Sonneneinstrahlung und Hitze sowie heißes Wasser
o    Baden Sie Ihre Füße mehrmals täglich in kaltem Wasser und benützen Sie keine rauen Handtücher oder Waschlappen
o    Tragen Sie keine zu enge Unterwäsche oder Kleidung

Hautveränderungen (Rash)

Unter Behandlung mit Erlotinib, einer zielgerichteten Substanz, kann es zum Auftreten eines typischen Hautausschlages kommen. Dieser sogenannte Rash kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und im Gesicht einer ausgeprägten Akne ähneln. Versuchen Sie, diese Nebenwirkung positiv zu sehen – sie ist nämlich ein Zeichen dafür, dass Sie auf die Therapie ansprechen. In Studien konnte belegt werden, dass Patienten mit Rash eine höhere Lebenserwartung als Patienten ohne Rash haben. Die rötlichen Pustel bilden sich in der Regel nach 1-2 Wochen zurück und lassen sich auch durch Antibiotika behandeln. Besprechen Sie geeignete Maßnahmen mit Ihrem Arzt oder einem mit dieser Nebenwirkung vertrauten Dermatologen. Spezielle Pflegetipps bei therapiebedingtem Hautausschlag finden Sie auch online unter:   http://www.aus-der-mitte.de/tl_files/aus-der-mitte/media/downloads/broschueren/Hautpflegetipps.pdf.

Nervenschädigungen

Einige Medikamente, wie z.B. Oxaliplatin oder Nab-Paclitaxel können das Nervengewebe schädigen und Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle hervorrufen. Vorübergehend kann auch die Kälteempfindlichkeit an Fingern und im Gesicht erhöht sein. Sprechen Sie unbedingt sofort mit Ihrem Arzt, wenn sich derartige Probleme bei Ihnen einstellen, damit Ihre Chemotherapie angepasst werden kann.

Müdigkeit, Erschöpfung und Schwäche (Fatigue)

Viele Krebspatienten leiden unter einer über das übliche Maß hinausgehenden Erschöpfung und dauerhafter Müdigkeit, die auch nach Ruhephasen und Schlaf anhält. In der Fachsprache wird dieser Erschöpfungszustand auch als Fatigue bezeichnet. Neben einer quälenden Müdigkeit, gehören auch Lustlosigkeit, Schwäche und mangelnde Belastbarkeit zu den Anzeichen. Da die Auslöser für eine Fatigue sehr vielschichtig sein können und unterschiedliche Behandlungsansätze erfordern, ist es wichtig, dass Sie mit Ihrem Arzt sprechen, wenn Sie Anzeichen einer Fatigue an sich beobachten.